Elektroautos als Dienstfahrzeuge im Außendienst – Nachhaltig, wirtschaftlich und alltagstauglich?

Elektroautos gewinnen zunehmend an Bedeutung – nicht nur für Privatpersonen, sondern auch als Firmenfahrzeuge. Immer mehr Unternehmen setzen auf nachhaltige Mobilität und statten ihren Außendienst mit Elektrofahrzeugen aus. Doch wie alltagstauglich sind Elektroautos im Außendienst wirklich? Wir haben mit zwei unserer Mitarbeiter, Matthias und Carlos, gesprochen, die bereits Erfahrungen mit E-Dienstwagen gesammelt haben.
Warum Elektroautos als Firmenwagen?
Elektroautos als Firmenwagen bieten viele Vorteile: Geringere Betriebskosten, steuerliche Vorteile und die Möglichkeit, nachhaltig unterwegs zu sein. Laut aktuellen Statistiken erfreut sich das Leasing von E-Autos auch nach dem Auslaufen der Förderung weiterhin großer Beliebtheit (Umfrage der ADAC SE zur Elektromobilität 2024), und auch die private Nutzung von Firmenwagen bleibt ein wichtiges Thema.
Doch wie sieht es in der Praxis aus? Es gibt viele Vorurteile und Befürchtungen im Zusammenhang mit Elektroautos, die viele Menschen davon abhalten, sich ein solches Fahrzeug anzuschaffen. Die meisten betreffen die Ladeinfrastruktur, die Ladedauer und die Reichweite von Elektroautos. Wie sieht die Realität im Jahr 2025 aus?
Ladeinfrastruktur und Ladestationen
Eine der größten Herausforderungen für Elektrofahrzeuge war lange Zeit die Ladeinfrastruktur. Mittlerweile gibt es aber deutschlandweit ein dichtes Netz an öffentlichen Ladestationen, vor allem entlang der Autobahnen und in den Städten. Auch Unternehmen können mit eigenen Firmenladestationen dafür sorgen, dass ihre Elektrofahrzeuge immer einsatzbereit sind. Im Februar 2025 gab es bundesweit 125.408 Normalladepunkte und 36.278 Schnellladepunkte (bundesnetzagentur.de, Zugriff 19.03.25).

Es gibt verschiedene Arten von Ladestationen:
- Normalladestationen (AC-Laden): Laden mit Wechselstrom, meist mit 11–22 kW Leistung – ideal für das Laden über Nacht oder bei längeren Aufenthalten.
- Schnellladestationen (DC-Laden): Laden mit Gleichstrom, oft mit 50–350 kW Leistung – ermöglicht schnelles Laden innerhalb von 30–60 Minuten.
- Wallboxen für zu Hause: Ermöglichen bequemes Laden mit bis zu 22 kW Leistung direkt am Wohnort des Mitarbeiters.
Reichweite von Elektroautos
Moderne Elektroautos bieten mittlerweile Reichweiten von 400–600 km, je nach Modell und Fahrweise. Gerade für den Außendienst ist dies ein entscheidender Faktor. Durch eine vorausschauende Routenplanung lassen sich auch längere Fahrten effizient gestalten. Mit der zunehmenden Verbreitung von Schnellladestationen wird auch das Aufladen unterwegs immer einfacher.
Wirtschaftliche Vorteile von Elektro-Dienstwagen
- Geringere Betriebskosten: Während ein Benziner durchschnittlich 10–12 € pro 100 km kostet, liegt der Strompreis für E-Autos bei etwa 6–8 € pro 100 km. Durch Nachtstromtarife oder betriebliche Ladestationen können die Kosten weiter gesenkt werden.
- Steuerliche Vorteile: Die 0,25%-Regelung für Elektro-Dienstwagen bedeutet, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die private Nutzung eines Elektro-Dienstwagens deutlich weniger Steuern zahlen als für einen Verbrenner.
Aber Achtung, dies gilt nur bis zu einem Brutto-Listenpreis von maximal 70.000 EUR. Darüber hinaus wird mit 0,5% gerechnet, so wie bei Plug-in Hybriden. - Weniger Wartungskosten: Ein Elektromotor ist verschleißärmer als ein Verbrennungsmotor – kein Ölwechsel, keine Kupplung und weniger Bremsenverschleiß.
- Förderungen und Subventionen: Unternehmen können von staatlichen Zuschüssen und vergünstigten Leasingangeboten profitieren.
Unsere Außendienstmitarbeiter im Interview
Matthias teilt seine Erfahrungen mit dem BMW i4 eDrive40 Gran Coupé und Carlos mit dem Audi Q4 e-tron 45.
Frage: Gleich zu Beginn: Viele scheuen den Kauf eines Elektroautos, weil sie der Ladeinfrastruktur in Deutschland nicht trauen. Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?
Carlos: Ich sehe da kein Problem. Die Ladeinfrastruktur in Deutschland ist mittlerweile absolut ausreichend. Man muss als Fahrer lernen, anders zu planen, aber dann ist „anders tanken“ kein Problem. Ich gehe gerne bei Kaufland einkaufen, weil es dort Schnellladesäulen gibt. Wenn ich mit dem Einkauf fertig bin, ist mein Auto wieder voll.
Matthias: Das sehe ich genauso. Wir haben in Deutschland mittlerweile eine wirklich gute Ladeinfrastruktur. Vor allem an Autobahnen und Supermärkten kann man auch DC laden. In etwa 30 Minuten hebe ich meinen SOC von 10% auf 80%. Das reicht locker für die nächste Etappe.
Frage: Wie sieht es im restlichen Europa aus?
Matthias: Ich war bisher nur in Österreich. Hier gab es weniger E-Ladestationen an den Autobahnraststätten. Stattdessen wurde ich in Dörfer gelotst, wo es Schnellladestationen gibt.
Frage: Wie sieht es mit der Bezahlung an den Stationen aus? Man hört in Berichten immer wieder, dass die verschiedenen Betreiber alle ihre eigenen Bezahlsysteme haben. War das eine Herausforderung für euch?
Matthias: Es stimmt, es gibt unzählige Anbieter und jeder hat seine eigene Karte und App. Die besten Konditionen bekommt man definitiv mit der jeweiligen App. Ich habe eine Roaming-Ladekarte und damit kann ich bei allen Anbietern unkompliziert laden.
Carlos: Ich finde es auch sehr unkompliziert. Ich habe ebenfalls eine Laderoamingkarte und mit der kann man bei allen Anbietern laden. Einmal hat die Karte nicht funktioniert. Das war aber auch kein Problem, weil ich dann einfach mit Kreditkarte bezahlen konnte.
Frage: Wie findet ihr das Platzangebot in euren Elektroautos? Ist es ausreichend oder gibt es noch Luft nach oben?
Carlos: Mein Auto hat auf jeden Fall genug Platz für mich und auch für meine Familie. Wie bei jedem Auto kommt es einfach auf die Lebensumstände an, wie viel Platz man braucht.
Matthias: Wie viel Platz man in einem Elektroauto hat, hängt auch immer von der Bauart des Autos ab. Ist es eine reine Elektroplattform oder eine Verbrennerplattform, die elektrifiziert wurde? Da hat man immer etwas weniger Platz. Mein i4 ist „elektrifiziert“. Deshalb hat man weniger Beinfreiheit. Und mit einem Baby muss man Tetris spielen, um den Kinderwagen in den Kofferraum zu bekommen.
Frage: Für viele Außendienstmitarbeiter sicherlich eine entscheidende Frage: Wie sieht es mit den Fahrzeiten auf langen Strecken aus? Braucht man deutlich länger?
Matthias: Man braucht länger, aber nicht deutlich länger. Nach Kassel habe ich für 350 km nur 10 Minuten länger gebraucht. Ich fahre ständig im Eco-Modus und stelle mich der Herausforderung, so effizient wie möglich zu fahren.
Carlos: Am Anfang habe ich es mir viel schlimmer vorgestellt. Ich habe mir viele Gedanken über Kapazität und Reichweite gemacht, aber es ist alles viel einfacher und angenehmer als gedacht. Nach Leipzig habe ich für 300 km etwa 25-30 Minuten länger gebraucht als sonst.
Frage: Und wie ist das Fahrgefühl?
Matthias: Ich komme viel entspannter an. Das ist echt super.
Carlos: Das Fahren mit dem Elektroauto macht mir mehr Spaß als mit einem Diesel oder Hybrid. Besonders gefällt mir, dass es nicht so laut ist wie beim Diesel.
Frage: Wie ist euer Fazit zum Thema E-Auto?
Carlos: Privat ist es auf jeden Fall super. Es passt perfekt zu meinem Lebensstil mit Kind.
Was ich allerdings kritisch sehe, ist die halbe Stunde, die man bei längeren Fahrten extra braucht. Ich fahre nur alle zwei Wochen Langstrecke, aber Außendienstler, die täglich unterwegs sind und Langstrecke fahren, merken die halbe Stunde sicher anders.
Matthias: Das stimmt, die halbe Stunde kann sich vor allem bei Außendienstmitarbeitern, die täglich unterwegs sind, anders auswirken. Aber ich glaube, es kommt darauf an, wie man die halbe Stunde nutzt, in der das Auto lädt - Telefonate führen, E-Mails beantworten und nicht zu vergessen, auch im Außendienst muss man mal eine Pause machen.
Ich finde meinen i4 jedenfalls super und gebe ihn nicht mehr her!

Unser Fazit: Sind Elektro-Dienstwagen die Zukunft?
Die Erfahrungen unserer Mitarbeiter zeigen: Elektroautos als Dienstwagen sind eine echte Alternative. Mit der richtigen Planung lassen sich die Ladezeiten gut in den Alltag integrieren und die Vorteile - sowohl finanziell als auch ökologisch - überwiegen deutlich. Unternehmen, die ihren Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umstellen, profitieren von geringeren Betriebskosten, attraktiven Steuervorteile, reduzierten Wartungskosten, einer nachhaltigen Unternehmensstrategie und einem positiven Image als umweltbewusstes Unternehmen.
Ob Dienstwagen mit Privatnutzung, Elektro-Dienstwagen oder Firmenwagen-Leasing - die Zukunft der Mobilität ist elektrisch. Wer noch zögert, sollte sich informieren und testen. Denn die Mobilität der Zukunft beginnt heute!